Der Blog erscheint beschäftigt sich mit den Themen Agilität, Agilissence und Komplexität.

Neben
Definitionen, um im Jungle von Buzzwords mit Missverständnissen aufzuräumen, geht es vor allem um die Voraussetzungen für den Einsatz von Agilissence, die einzelnen Elemente, sowie um Schlussfolgerungen, die sich bei der Arbeit mit dem Konzept ergeben.

Teil 1: Glaubenssätze

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Das Vorgehen mit den Kernelementen von Agilissence kann nicht nur für einen Wandel hin zu einem schneller agierenden und reagierenden Unternehmen verwendet, sondern für jede Art von Veränderungen genutzt werden. Es ist daher wichtig, einen Rahmen zu stecken, eine Art Checkliste, um den richtigen Kurs zu setzen. Jedes Framework, sei es Scrum, Kanban oder Design Thinking, sowie die Agilität an sich (mit dem agilen Manifest) hat aus dem gleichen Grund in der einen oder anderen Form Werte und Prinzipien definiert. Wie wichtig das ist, kann man in Aussprüchen erkennen, wie zum Beispiel „Don’t do agile, be agile“.

In den Anfangstagen von Agilissence habe ich überlegt, welcher Rahmen für Agilissence wichtig ist. Dann besann ich mich, dass es ja gerade darum geht, die Essenz aus den anderen Frameworks zu extrahieren und sie damit zusammenzufassen. Also schaute ich mir die Werte und Prinzipien von über 40 Frameworks und Konzepten an, gruppierte die Gemeinsamkeiten und identifizierte die Unterschiede. Die größte Herausforderung war, die einzelnen Gruppen aussagekräftig zu benennen. Ich will, dass damit gearbeitet werden kann, aber gleichzeitig genug Interpretationsspielraum geboten wird, um auf die unterschiedlichsten Situationen zu passen und zu inspirieren. Das war ein mühsamer Prozess. In mehreren Runden und über mehrere Jahre habe ich die Benennungen auf Konferenzen, mit Kollegen und in Workshops diskutiert und wieder und wieder überarbeitet.

Das Ergebnis ist der Kompass von Agilissence. Dabei handelt es sich nicht um Werte und Prinzipien, sondern um Glaubenssätze und Verhaltensempfehlungen. Die Glaubenssätze sind Axiome, Voraussetzungen für den Umgang mit Unsicherheit, Dynamik und Komplexität. Sie müssen gelten, damit Veränderung und Wertschöpfung hin zu mehr Schnelligkeit im Sinne der Intentionen funktionieren kann. Die Verhaltensempfehlungen helfen dabei, die Weltsicht um die Glaubenssätze zu erweitern und mit Leben zu erfüllen. Gibt es Probleme bei der Transformation oder Wertschöpfung, hilft der Kompass, die Wurzeln zu identifizieren und zu lösen.

Glaubenssätze: Voraussetzung für den Umgang mit Komplexität

Bewegung: Die einzige Konstante ist die Veränderung

Veränderung ist eine Naturkonstante. Es ist nicht immer leicht, Veränderungen zu bemerken, denn oft geschieht sie schleichend. Es ist aber leichter für uns, Veränderung zu bemerken als das Gleichbleibende.

Habe ich das akzeptiert, folgt daraus:

  • jeder von uns verändert sich ständig
  • wir verhalten uns in jedem Kontext anders
  • eine kontinuierliche Planung, Prüfung und Reflexion hilft beim Umgang mit Veränderung
  • Veränderung bewirkt in uns Aufmerksamkeit

Implementation in Agilissence: Das Denken in Kreisen (2Cycles-Model) ist das Denken in Veränderung.

Bedeutsamkeit: Das Sinnvolle verfolgen

Wir sind engagierter, wenn wir verstehen, warum wir etwas tun und damit übereinstimmen. So sind wir intrinsisch motiviert, können gute Entscheidungen treffen und gehen mit einem Lächeln von der Arbeit nach Hause. Nur wer mit Freude für die Details lebt und arbeitet, erlangt Meisterschaft indem, was er tut, kann einen wirklichen Mehrwert schaffen und hat Orientierung.

Habe ich das akzeptiert, folgt daraus:

  • wir sollten immer versuchen, das zu tun, was sinnvoll ist und das nicht-sinnvolle hinterfragen
  • wir sollten schätzen, was wir tun, unabhängig vom Ergebnis
  • sinnvolle Wertschöpfung ist wichtiger als Wertmanagement
  • Kundenorientierung ist für Unternehmen immer sinnvoll

Implementation in Agilissence: Sinnhaftigkeit zu erkennen ist ein selbst-reflektierter Prozess, bei dem die Kombination aus den Intentionen und dem Bicycle-Modell helfen kann.

Präsenz: Werden führt zum Sein

In jedem von uns steckt Potenzial und es ist unsere Verantwortung, dieses zu entfalten und sinnvoll einzusetzen. Wenn wir nicht den Willen zum Wachstum haben, wird sich Veränderung nicht einstellen und die Dynamik und Komplexität unserer Welt wird über uns hinweg rollen. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Werden bedeutet scheitern, denn sonst können wir nichts lernen. Werden bedeutet, nicht die Grenzen zu sehen, sondern die Möglichkeiten.

Habe ich das akzeptiert, folgt daraus:

  • kontinuierliches Lernen bedeutet, die Augen offenzuhalten und nicht zu schnell zu urteilen
  • wir müssen überzeugt davon sein, uns weiterentwickeln zu können
  • wir müssen mit Fehlern und Unerwartetem entkrampft umgehen
  • nur die Praxis führt zu einer echten Weiterentwicklung

Implementation in Agilissence: Weiterentwicklung basiert auf zwölf Handlungen, die in Agilissence als Karten abgebildet sind.

Schöpfung: Der menschliche Weg ist der kreative Weg

Der in Unternehmen häufig verwendete Begriff der Wertschaffung muss eigentlich Wertschöpfung bedeuten, vom englischen „Value Creation“. Kreativität kann nach Mel Rhodes unterteilt werden in die 4 Ps: die kreative Person, der kreative Prozess, das kreative Produkt und das kreative Umfeld. Ich würde noch ein 5. P hinzufügen, die kreative Passion. Kreativität ist in jeder Entscheidung vorhanden, sonst handelt es sich nur um einen Automatismus oder Algorithmus. Kreativität ist jedem von uns angeboren, viele von uns haben sie nur verlernt. Wissensarbeit funktioniert nur, wenn wir kreativ sind https://www.agilissence.de/Blog/?id=intentionen-als-säulen-für-veränderung.

Habe ich das akzeptiert, folgt daraus:

  • Prinzipien fördern Kreativität, Regeln verhindern sie
  • Es braucht eine Mischung aus Ordnung und Freiraum
  • Aus Neugierde entstehen Möglichkeiten
  • Selbst denken ist essenziell

Implementation in Agilissence: Das Denken in Zusammenhängen zwischen den Aspekten im Bicycle-Modell fördert die Kreativität, denn das Resultat sind Narrative und Geschichten. Das Gleiche gilt für die Modellierung der Handlungen mit den Karten.

Interaktion: Zusammenarbeit ist essenziell

Die kleinste Einheit eines Unternehmens ist das Team. Benötige ich kein Team, brauche ich kein Unternehmen. Auch außerhalb von Unternehmen sind wir eingebettet in Zusammenarbeit. Ohne sie haben wir kein Wasser, kein Strom, keine Computer, keine Brötchen. Ohne Zusammenarbeit werden wir uns nicht effektiv entwickeln können. Zusammenarbeit und Individualität gehen dabei Hand in Hand. Ein Team besteht aus einzelnen Personen und ist nur erfolgreich, wenn jeder die eigenen Interessen und Standpunkte mit den anderen abstimmt. Durch die Zusammenarbeit entsteht Emergenz, in der die Summe mehr ist, als die einzelnen Teile.

Habe ich das akzeptiert, folgt daraus:

  • In der Wertschöpfung müssen unsere Interessen und Standpunkte in die gleiche Richtung gehen
  • Annahmen und Erwartungen müssen zwischen allen Beteiligten klar sein
  • Zusammenarbeit ist Kommunikation
  • Eine effiziente, effektive und konstruktive Kommunikation ist nur mit Vertrauen möglich

Implementation in Agilissence: Die Integratoren geben Klarheit über die Art und Qualität der Zusammenarbeit. Alle Kernelemente von Agilissence sind Werkzeuge für einen Dialog, um Kommunikation und Ausrichtung herzustellen.

Im zweiten Teil geht es um die Verhaltensempfehlungen, diese erfüllen die Glaubenssätze mit Leben.

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